Gesund&Leben_Ausgabe 01 + 02

Schon bevor eine Patien- tin oder ein Patient ins Klinikum kommt, bespricht das Team der MIA den jeweiligen Fall genau durch. 51 welche Untersuchungen notwendig sind und welche Abteilungen gebraucht werden. Auch um alle rechtlichen Angelegenheiten und Einverständniserklärungen kümmert sich die MIA imVorfeld. „Es ist uns ein großes Anliegen, die Patienten so lange wie möglich im gewohnten Umfeld zu lassen, um ihnen Stress und Aufregung zu ersparen.“ Diese Vor- kehrungen brauchen teilweise bis zu sieben Stunden. Zeit, die sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des MIA-Teams neben ihren normalen Aufgaben nehmen. „Das ist eine Tätigkeit, für die man viel Engagement und Herzblut benötigt. Doch es lohnt sich. Die Arbeit mit diesen Menschen erweitert den Horizont“, betont Mosch. Gleiches Recht für alle Hat es die Patientin oder der Patient ins Klini- kum geschafft, muss alles ganz schnell gehen: „Wenn der Patient bei uns eintrifft, steht schon alles bereit. Wir versuchen, möglichst viele Untersuchungen in einer Art Diagnose- straße zu erledigen. Der Patient bekommt dank einer Narkose davon gar nichts mit. Diese ist fast immer nötig, da wir nicht wissen, wie die Menschen reagieren. Schon eine kleine Untersuchung, wie eine Blutabnahme, könnte eine Stunde dauern, weil der Patient sich so dagegen wehrt“, erzählt Primarius Fuchs. Ausruhen kann sich der Patient nach der Untersuchung auf der Überwachungs­ station. Dort nehmen ihm seine Begleitperson und die Pflegekräfte die Angst. „Durch die MIA hat sich in der Gesundheits- versorgung von Menschen mit Behinderungen viel getan: Bei Untersuchungen werden Krank- heiten entdeckt, die man früher nie erkannt hätte, weil sich die Patienten nicht untersu- chen ließen. Dadurch steigt ihre Lebenserwar- tung. Doch es ergeben sich auch viele neue Herausforderungen“, weiß Fuchs. Denn sobald es nicht mehr nur um eine Untersuchung geht, sondern die Patientin oder der Patient statio- när aufgenommen werden muss, werden alle Schritte noch komplexer. Und Fuchs weist noch auf ein anderes Problem hin: „Es gibt viele Dinge, die wir zwar diagnostizieren, aber nicht weiterbehandeln können. Man muss immer überlegen, ob ein Patient von einer bestimmten Operation profitiert oder ob er danach zum Vollpflegefall wird. Manche Wunden oder Brüche würden nicht verheilen, weil Patienten nicht verstehen, dass sie sich schonen müssen. Oder weil sie sich Verbände sofort herunterreißen würden.“ Der Anästhesist freut sich darüber, dass sich der Zugang zu Menschen mit Beeinträchtigun- gen in den vergangenen Jahren stark verbessert hat. ImLandesklinikumMelk wurden dieMitar- beiterinnen und Mitarbeiter der MIA im Umgang mit kognitiv und mehrfach behinder- ten Menschen speziell geschult. Engagierte Betreuungskräfte und spezielle Einrichtungen nehmen betroffenen Angehörigen eine große Last ab. „Wir sind einfach da, wenn es anders nicht mehr funktioniert“, sagt Fuchs. Für die Zukunft erhofft er sich, dass der Bereich in ganz Österreich ausgebaut wird: „Menschen mit Behinderungen haben das gleiche Recht auf Gesundheit wie alle anderen. Doch es fehlt an Möglichkeiten für einen niederschwelligen Zugang zu klinischen Leistungen. Nötig wäre ein Netzwerk in Österreich, das sich diesem Bereich widmet. Damit könnten wir noch viel mehr Menschen helfen.“ Michaela Neubauer n MIA www.gesundundleben.at 01+02/20 Menschen mit Behin- derung haben das gleiche Recht auf Gesund- heit wie alle anderen.

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